Hepatitis B, Schwangerschaft und Stillzeit

Schutz des Neugeborenen vor der Infektion

Hepatitis B kann vor oder während der Geburt auf das Kind übertragen werden. Ein Kaiserschnitt kann dieses Risiko nach heutigem Wissen nicht senken. Das Infektionsrisiko lässt sich jedoch um 90% reduzieren, wenn das Kind nach der Geburt umgehend aktiv und passiv gegen Hepatitis B geimpft wird.

Die passive Impfung besteht in Antikörpern von gesunden Geimpften. Diese bietet einen sofortigen Schutz, der jedoch nicht dauerhaft anhält. Um einen dauerhaften Immunschutz zu erreichen, wird gleichzeitig die aktive Impfung durchgeführt. Diese besteht aus einem künstlich nachgebauten Viruseiweiß (HBsAg). Dies regt das Immunsystem an, im Laufe einiger Wochen einen eigenständigen, dauerhaften Impfschutz aufzubauen. Für den vollständigen Impfschutz muss die aktive Impfung nach einem und 6 Monaten wiederholt werden.

Medikamente in der Schwangerschaft?

In der Regel sind alle verfügbaren Medikamente während der Schwangerschaft kontraindiziert. Dies gilt insbesondere für das erste Trimenon. Wenn eine Patientin unter der Therapie schwanger wird, muss diese Kontraindikation gegen das Risiko abgewogen werden, dass die Leberentzündung durch das Absetzen der Medikamente wieder aufflammen kann. Wenn bereits eine fortgeschrittene Fibrose oder Zirrhose besteht, kann ein solcher, so genannter „Flare“ die Schwangere gefährden und in Einzelfällen doch eine Fortführung der Therapie rechtfertigen. Unklar ist, ob Lamivudin bei hoher Virusmenge über 109 Kopien/ml das Ansteckungsrisiko für das Kind noch weiter senken kann, wenn es ohnehin nach der Geburt geimpft wird. Zu Adefovir, Entecavir und Telbivudine gibt es hierzu noch weniger Erfahrung. Peg-Interferon ist während der Schwangerschaft absolut kontraindiziert, da es fruchtschädigend wirken kann.

Stillen

Hepatitis B kann durch Stillen übertragen werden. Es wird daher Hepatitis-B-positiven Müttern davon abgeraten, ungeimpfte Kinder zu stillen. Aktiv und passiv geimpfte Kinder sind gegen das Virus geschützt und können grundsätzlich gestillt werden. Der Impfschutz wird durch eine Blutuntersuchung festgestellt. Ab einen anti-HBs-Antikörperspiegel über 100 IE/ml besteht Schutz. Wenn die Mutter jedoch antivirale Medikamente einnimmt, reichern sich diese auch in der Muttermilch an; HBV-positive Mütter in einer antiviralen Behandlung sollten daher ihre Kinder nicht stillen.

Quelle: Prof. Wirth, Wuppertal, 2007